Reynolds Ransomware: Kernel-Ebene Umgehung mittels eingebettetem BYOVD zur EDR-Deaktivierung

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Reynolds Ransomware: Kernel-Ebene Umgehung mittels eingebettetem BYOVD zur EDR-Deaktivierung

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Cybersicherheitsforscher haben kürzlich Details einer aufkommenden Ransomware-Familie namens Reynolds veröffentlicht, die eine signifikante Eskalation bei den Techniken zur Abwehrumgehung durch Angreifer darstellt. Was Reynolds besonders macht, ist die geniale Integration einer Bring Your Own Vulnerable Driver (BYOVD)-Komponente direkt in die Ransomware-Payload. Dieser hochentwickelte Ansatz ermöglicht es Reynolds, Privilegien auf Kernel-Ebene zu erlangen, wodurch Endpoint Detection and Response (EDR)-Sicherheitstools effektiv deaktiviert und die zerstörerischen Operationen mit beispielloser Tarnung und Persistenz durchgeführt werden können.

Das Verständnis von Bring Your Own Vulnerable Driver (BYOVD)-Angriffen

BYOVD ist eine fortgeschrittene Angriffstechnik, die legitime, signierte, aber fehlerhafte Kernel-Modus-Treiber ausnutzt, um erhöhte Privilegien zu erlangen. Diese Treiber, oft mit Hardwaregeräten, Virtualisierungssoftware oder sogar veralteten Sicherheitstools verbunden, weisen Schwachstellen auf, die zur Ausführung beliebigen Codes im Kernel-Bereich (Ring 0) genutzt werden können. Im Gegensatz zu User-Mode-Angriffen sind Operationen, die im Kernel-Modus ausgeführt werden, typischerweise für die meisten EDR-Lösungen unsichtbar oder nicht nachvollziehbar, da diese primär im User-Modus operieren oder auf Kernel-Modus-Callbacks angewiesen sind, die manipuliert werden können.

Der Kern eines BYOVD-Angriffs liegt in der Ausnutzung spezifischer Treiberfunktionen, wie zum Beispiel:

Sobald ein anfälliger Treiber geladen und ausgenutzt wird, erhält der Angreifer eine nahezu allmächtige Kontrolle über das Betriebssystem, wodurch Sicherheitskontrollen, die auf User-Mode-Hooks oder sogar viele Kernel-Modus-Überwachungsmechanismen angewiesen sind, umgangen werden können.

Die Angriffskette der Reynolds Ransomware

Die Angriffskette der Reynolds Ransomware, die ihren eingebetteten BYOVD nutzt, ist besonders heimtückisch:

  1. Initialer Zugriff: Reynolds erhält wahrscheinlich initialen Zugriff über gängige Vektoren wie Spear-Phishing-Kampagnen, Ausnutzung öffentlich zugänglicher Anwendungen (z.B. RDP, VPN-Schwachstellen) oder Lieferkettenkompromittierung.
  2. Payload-Bereitstellung & Dropper: Einmal im System, wird die Reynolds-Executable bereitgestellt. Diese Dropper-Komponente enthält die eigentliche Ransomware-Payload und den eingebetteten, legitimen, aber anfälligen Treiber.
  3. Treiberladen & Ausnutzung: Die Ransomware registriert und lädt den anfälligen Treiber. Anschließend interagiert sie mit diesem Treiber über spezifische IOCTLs oder andere exponierte Schnittstellen, um die Schwachstelle auszulösen. Dies beinhaltet typischerweise die Übergabe sorgfältig konstruierter Eingaben, um beliebige Kernel-Speicher-Lese-/Schreibfähigkeiten zu erlangen.
  4. EDR-Deaktivierung auf Kernel-Ebene: Dies ist die kritische Phase. Mit Lese-/Schreibzugriff auf beliebige Kernel-Adressen kann Reynolds mehrere Aktionen ausführen, um Sicherheitstools zu neutralisieren:
    • Beenden von EDR-Prozessen: Direktes Auffinden und Beenden von EDR-Prozessen aus dem Kernel-Modus, wodurch User-Modus-Schutzmaßnahmen umgangen werden.
    • Modifizieren von Kernel-Callbacks: Abmelden oder Hooken kritischer Kernel-Callbacks, die von EDRs zur Überwachung von Dateisystemaktivitäten (IRP_MJ_CREATE), Prozesserstellung (PsSetCreateProcessNotifyRoutine), Laden von Images (PsSetLoadImageNotifyRoutine) oder Registrierungszugriff (CmRegisterCallback) verwendet werden.
    • Entpatchen & Unhooking: Rückgängigmachen von In-Memory-Patches oder API-Hooks, die von EDRs in Systembibliotheken (z.B. ntdll.dll, kernel32.dll) injiziert wurden, um die Kontrolle über Systemfunktionen zurückzugewinnen.
    • Deaktivieren von ETW-Providern: Manipulieren von Event Tracing for Windows (ETW)-Providern, die von Sicherheitstools zur Telemetrieerfassung verwendet werden.
    • Manipulieren von MiniFilter-Treibern: Wenn ein EDR einen MiniFilter-Treiber zur Dateisystemüberwachung verwendet, könnte Reynolds dessen Funktionalität potenziell entladen oder manipulieren.
  5. Ransomware-Ausführung: Nach erfolgreicher Deaktivierung der Sicherheitsabwehr fährt Reynolds mit seinem Hauptziel fort: Verschlüsselung von Dateien, Ablegen von Lösegeldforderungen und Löschen von Schattenkopien, um eine einfache Wiederherstellung zu verhindern.

Technischer Einblick: Mechanik der Treiber-Ausnutzung

Der Prozess der Umwandlung eines beliebigen Lese-/Schreib-Primitivs in eine vollständige Kernel-Ausführung ist eine nuancierte Kunst. Bedrohungsakteure verwenden häufig Techniken wie:

Die Fähigkeit, direkt mit Kernkomponenten des Windows-Kernels wie ntoskrnl.exe und seinen exportierten Funktionen zu interagieren, verschafft Reynolds einen unvergleichlichen Vorteil, wodurch Erkennung und Intervention für konventionelle Sicherheitsmechanismen äußerst schwierig werden.

Auswirkungen und Implikationen für die Unternehmenssicherheit

Das Aufkommen der Reynolds Ransomware mit ihrer eingebetteten BYOVD-Komponente signalisiert einen besorgniserregenden Trend in der Bedrohungslandschaft. Sie stellt eine erhebliche Herausforderung für die Unternehmenssicherheit dar, da sie:

Verteidigungsstrategien und Mitigation

Die Abwehr von Bedrohungen wie Reynolds erfordert eine mehrschichtige, proaktive Verteidigungsstrategie:

Digitale Forensik, Bedrohungsattribution und Link-Analyse

Nach einem hochentwickelten Angriff wie Reynolds sind robuste digitale Forensik und Bedrohungsattribution von größter Bedeutung. Ermittler müssen jedes verfügbare Telemetriestück sammeln und analysieren, um die Angriffskette zu rekonstruieren, initiale Zugriffsvektoren zu identifizieren und die Taktiken, Techniken und Prozeduren (TTPs) des Angreifers zu verstehen.

Für die erweiterte Telemetrieerfassung während der Reaktion auf Vorfälle oder der Bedrohungsanalyse können Tools wie iplogger.org von großem Nutzen sein. Es ermöglicht die Sammlung kritischer Datenpunkte wie IP-Adressen, User-Agent-Strings, ISP-Details und Geräte-Fingerabdrücke, wodurch Ermittler die Angriffsinfrastruktur kartieren, Angreiferprofile verstehen und die Anfangsphasen der Kompromittierung mit größerer Präzision nachvollziehen können. Diese Metadatenextraktion aus der Netzwerkkommunikation, kombiniert mit Endpunkt-Forensik, ist entscheidend für die Entwicklung robuster Bedrohungsintelligenz und die Verbesserung der Verteidigungsposition.

Fazit

Die Reynolds Ransomware mit ihrer eingebetteten BYOVD-Komponente stellt eine gewaltige Entwicklung in den Ransomware-Fähigkeiten dar und verschiebt die Grenzen der Abwehrumgehung in den Kernel-Bereich. Sie unterstreicht die entscheidende Notwendigkeit für Organisationen, eine ganzheitliche Sicherheitsposition einzunehmen, die über den traditionellen Endpunktschutz hinausgeht und fortschrittliche Treiberkontrolle, Speicherintegrität und proaktives Threat Hunting umfasst. Da Angreifer weiterhin innovativ sind, bleibt eine mehrschichtige Verteidigungsstrategie, die auf einem tiefen technischen Verständnis und kontinuierlicher Bedrohungsintelligenz basiert, der stärkste Schutzwall gegen solch fortgeschrittene und hartnäckige Bedrohungen.

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